Es sind fast anderthalb Jahre her, dass ich FlightXPress verlassen habe. Genauer gesagt: Verlassen musste. Über die Gründe meiner damaligen Entscheidung habe ich nie öffentlich geredet. Ich wollte dreckige Wäsche nicht in der Öffentlichkeit waschen und dabei den Namen des Magazins, für das ich 10 Jahre gearbeitet hatte, in den Schmutz ziehen. Aber jetzt ist es vorbei, die Geschichte hat ihr unerfreuliches Ende gefunden.
TOX Media s.a.r.l., die Herausgeberin von FlightXPress, wurde von einem luxemburgischen Gericht unter Konkurs gesetzt. Den Antrag auf Feststellung der Zahlungsunfähigkeit hatte meine Rechtsvertretung gestellt.
Wie es dazu kam, ist eine lange Geschichte. Und eine ganz banale dazu. Die Kurzfassung ist: Wenn man Brötchen bestellt, sie bekommt und sie auch lecker schmecken, muss man den Bäcker auch bezahlen. Das aber tat TOX Media nicht.
Und nun die Langfassung. Sie begann Anfang 2008, als die Honorare für meine Arbeit als freiberuflicher Chefredakteur ohne vorherige Miteilungen oder Besprechungen einfach ausblieben.
Selbstverständlich ist es das gute Recht eines Geschäftsführers, den Chefredakteur zu kündigen, falls ein Blatt sich nicht so entwickelt, wie geplant. Oder wenn eine allgemeine Wirtschaftskrise Umsätze und Gewinne kräftig nach unten drückt. Ich wurde aber nicht gekündigt und auch Gespräche über sich anbahnende Schwierigkeiten und wie man sie umschiffen könnte, fanden nicht statt. Ich wurde einfach nicht bezahlt – aber weiterhin mit der Erstellung von FlightXPress beauftragt.
Meine Warnungen zu kündigen, falls meine Honorare nicht bezahlt wurden, erbrachten keine konkreten Ergebnisse. Die Details spare ich lieber aus. Nur so viel: Die Entscheidung fiel mir nicht leicht und mehrere damalige FlightXPress-Mitarbeiter können es bezeugen. Aber Ende März 2008 war die Zeit gekommen, einen Punkt zu setzen.
Die Versprechungen, dass meine Honorarrechnungen so bald wie möglich beglichen werden, erwiesen sich als hohl. Auch eine vereinbarte Ratenzahlung kam nicht zum Tragen. Die erste Rate kam mit deutlicher Verspätung und nur zur Hälfte des vereinbarten Betrags. Dann war es Schluss. So blieb mir nicht anders übrig, als vor Gericht zu ziehen. Hier muss ich mich bei der Deutschen Journalisten-Union recht herzlich bedanken. Ohne ihre Beratung und Unterstützung wäre es mir nicht möglich gewesen, die Kosten für das ganze Verfahren zu stemmen.
Es war kein harter juristischer Kampf. Meine Forderungen waren legitim und wurden von der Gegenseite auch anerkannt. Auf Säumniszulagen und auf die Berechnung von Zinsen habe ich dabei verzichtet, obwohl ich sie hätte geltend machen können. Ich wollte wirklich nur meine Honorare haben. Einsprüche oder etwaige Forderungen mir gegenüber erhob TOX Media bei allen Verhandlungsschritten nie.
Es war aber ein langer Kampf. Nach meinen Zahlungsaufforderungen folgten die Mahnungen des Rechtanwalts, eine richterliche Zahlungsaufforderung, die Beantragung eines Vollstreckungstitels, ein erfolgloser Pfändungsversuch, die Drohung mit einer Klage auf Feststellung der Zahlungsunfähigkeit, die Klageerhebung und die Feststellung der Insolvenz durch das Tribunal. Für alle diese Schritte gab es Fristen, Widerspruchsmöglichkeiten und auch die Möglichkeit von außergerichtlichen Einigungen. Aber von TOX Media kam keine positive Reaktion. Erst anderthalb Jahre nach meiner Kündigung, am 9. September 2010, wurde TOX Media in Konkurs gesetzt.
In allerletzter Minute legte Marc Goergen Einspruch gegen das Urteil ein und versuchte, den Konkurs abzuwenden. Warum denn erst so spät, wenn es eigentlich schon zu spät ist? Keine Ahnung.
Im FXP-Forum erweckte er den Eindruck, er hätte die Rechnungen aus seinem Privatvermögen schon bezahlt. Das war aber nicht die ganze Wahrheit: Dieses Geld, das offensichtlich nicht von der Gesellschaft TOX Media, sondern von der Privatperson Marc Goergen besorgt wurde, wurde in ein Treuhandkonto einbezahlt. Ich hätte es erst dann bekommen, wenn das Gericht das Konkursurteil rückgängig gemacht hätte.
Nach der richterlichen Festsetzung der Zahlungsunfähigkeit am 9. September ging es aber nicht mehr darum, dass TOX Media die noch offenen Rechnungen (und die Prozesskosten) bezahlt. Jetzt musste Marc Goergen noch das Gericht überzeugen, dass TOX Media an sich ein solides Unternehmen sei. Das Gericht ließ sich offensichtlich nicht überzeugen und bestätigte das Konkursurteil.
Im FXP-Forum und auch in einem Interview mit sich selbst auf FSlive erweckt Marc Goergen den Eindruck, die Anklage auf Feststellung der Zahlungsunfähigkeit sei eine Aktion vom VST-Verlag und von mir, um FlightXPress zu vernichten.
In Wahrheit war ich derjenige, der am meisten gehofft hat, dass TOX Media nicht zerschlagen wird. Wäre der Konkurs rückgängig gemacht worden, hätte ich endlich, endlich das mir Zustehende erhalten. Das ist nicht passiert. So gibt es in dieser Geschichte nur viele Verlierer, aber nur einen Verantwortlichen.
Was mit FlightXPress passiert, entscheidet bald der Konkursverwalter.