Gestern Abend habe ich Airplane Stability and Control von Malcom J. Abzug und E. Eugene Larrabee zu Ende gelesen. Wie alle Fachbücher über dieses Thema ist die Lektüre stellenweise eine harte Kost. Seite 310 zum Beispiel:
Airplane transfer-function denominator factors, or roots, govern airplane motions following initial disturbances. Stable roots, having negative real parts, lead to subsidence of oscillatory or aperiodic motions. The same is true for the denominators of closed-loop transfer functions… Transfer function numerator factors are called zeros. A response survey to step inputs for a systematic variation in pole-zero combinations gives striking results, particularly for the case of two real poles and one real zero. Depending on whether the zero is between the poles or to the right, the step response appears either deadbeat or with a large overshoot.
Alles klar, oder? Dieser Auszug stammt aber aus dem wohl schwersten Kapitel aus diesem hochinteressanten Buch, das sonst fast ohne mathematische Formeln und Kauderwelsch auskommt. Das liegt daran, dass es sich eigentlich der Geschichte der Disziplin widmet. Und dabei keine stringente chronologische, sonder nur eine lockere, thematische Ordnung einhält. Logischerweise beschäftigt sich die erste Hälfte mit den Grundlagen von Stability and Control. Sie beschreibt, wie die ersten Flugzeugbauer allmählich die Methoden erfanden, um ihre Flugapparate zu beherrschen und zu steuern.
Dann folgen mehr oder weniger lange Kapiteln über einzelne Probleme, zum Beispiel die Entdeckung der Trägheitsruckkopplung, die besonderen Anforderungen der US Navy an ihre Flugzeuge, die Herausforderungen des Überschallfluges, die Tücken der Ultralights oder die Trudelcharakteristik der Flugzeuge der General Aviation.
Dabei schöpfen die Autoren aus den Vollen ihrer langjährigen Erfahrungen als Konstrukteure und Forscher. Abzug arbeitete bei Douglas an der Entwicklung sowohl von Kampf- als auch von Transportflugzeuge und war zuletzt bei Northrop an den Programmen für die YF-17 und B-2 beteiligt. Larrabee wirkte bei Curtiss an mehreren Projekten und lehrte am MIT.
Für jemanden, der wirklich keine Ahnung der Materie hat, ist das Buch wohl zu schwer, da sich die Autoren gar nicht die Mühe machen, die Grundlagen der Aerodynamik zu erklären. Man muss schon wissen, was ein Scharniermoment oder ein Dutch Roll ist, um diese Abhandlung zu genießen. Aber das Buch erzählt die Geschichte dieser Disziplin so plastisch, spannend und zugleich tiefgründig, dass es ein Genuss ist.
Wer in das Buch schnuppern möchte, kann es hier tun.


