Archiv für Oktober 2007

Ich habe den ersten…

Endlich hatte ich heute Nachmittag Zeit, die Novemberausgabe von FlightXPress in Ruhe zu lesen. Wir hatten sie in Paderborn auf der Flugsimulationskonferenz dabei, ich konnte aber bisher nur schnell darin blättern.
Es lag nicht am starken Kaffe nach dem Mittagessen, ich war bei der Lektüre wirklich ein wenig nervös, es ist schließlich die erste Nummer, die ich betreut habe. Und meine bangen Fragen waren: wie viele Grammatikfehler habe ich wohl darin eingebaut und wie lange brauche ich, um sie zu finden.

Es ist schon ziemlich paradox: Dieses deutsche Magazin wird von einer „Bande“ herausgebracht, die auf Kriegfuß mit Herrn Duden steht. FlightXPress gehört einem Luxemburger, der so schreibt wie er chattet. Unterstützt wird er von einem Australier (Grant) und von einem Computerspezialisten, der fast nur Programmiersprachen beherrscht (Stefan). Der Chefredakteur (ich) kam erst mit 28 von Italien nach Deutschland. Urs spricht und schreibt Schweizer Fliegerenglisch während der Österreicher Simon die alte Rechtschreibung hegt und pflegt. Ich weiß, dass ich damit seinen Ruf ruiniere, aber ich muss es gestehen: der FlightXPress-Autor, der am besten Deutsch kann, ist MeatWater.

So war es nur eine Frage der Zeit, bis ich den ersten Grammatikfehler in FlightXPress 11/2007 fand. Es vergingen immerhin 28 Minuten. Und dieser Fehler war nicht von mir (aber ich hätte ihn vor dem Druck entdecken müssen).

Paderborn 2007

Manchmal ist es ein Vorteil, dass die Technik noch nicht so weit ist. Wenn die Computer keine Tastaturen mehr hätten, sondern wie im Raumschiff Enterpreis nur über Sprache zu bedienen wären, hätte ich jetzt ein größeres Problem. Ich kann nämlich nicht mehr reden. Meine Stimme ist weg. Die langen, intensiven Gespräche auf der Flugsimulationskonferenz in Paderborn haben meinen Stimmbändern ziemlich zugesetzt. Im Augenblick röchele ich nur.

Ich bin erst vor wenigen Stunden nach Hause gekommen aber ich kann es schon jetzt sagen: Die diesjährige Flugsimulationskonferenz wird mir als eine besonders positive Erinnerung verbleiben. Und dies ist einerseits der deutschen Autobahn zu verdanken. Für die rund 360 Km habe ich etwas mehr als vier Stunden auf der Hinfahrt und drei und ein Viertel auf der Rückfahrt. So glatt und reibungslos war die Fahrt von Lübeck nach Paderborn nie verlaufen. Vor zwei Jahre hatte ich wegen kolossalen Staus in Hamburg, Hannover und Bielefeld fast sieben Stunde gebraucht.

Die Konferenz war diesmal etwas kleiner und hatte etwas weniger Besucher als im Vorjahr, was auch damit zu erklären ist, dass damals der neue Flugsimulator vorgestellt wurde und alle ihn sehen wollten. Andererseits war die Messe nicht so rummelig sondern etwas intimer und man konnte beinahe in Ruhe mit allen quatschen, Produkte testen und den Vorträgen zuhören.

Daniel und Christina

Der neue Stand von FXP hat sich bewährt und den Ansturm der Neugierigen bravourös – ehm… – stand gehalten. Sonst wäre ja kein Stand gewesen, oder? Wir hatten am Freitag die Novemberausgabe frisch aus der Druckerei geholt und nach Paderborn mitgenommen. Viele, überraschend viele wollten sie sehen – und kaufen. Das hat mich natürlich sehr erfreut, da es das erste FXP-Heft unter meiner Verantwortung ist.
Gefreut hat es mich auch zu sehen, dass Marc, Grant und selbst die vielfach gescholtene Christina, unsere Layouterin, zwar kritisch aber doch freundlich von den anwesenden FXP-Lesern und Forum-Mitgliedern angenommen wurden. Das ist – nach den heftigen Scheerwinden der letzten Monate – doch ermutigend. Ich kann mich nicht mehr an allen erinnern, die vorbei geschaut haben, aber die Diskussionen mit Phil, Matthias, Buschflieger, Nico, Offlineflieger und FlyTweety fand ich besonders ergiebig. Und die mit „King of Motorhome“ Daniel natürlich sehr unterhaltsam.

Eine Mistgabel hatte niemand dabei.

Gerhard

Kennen Sie die Chefredakteure aus den billigen Hollywood-Filmen? Diese cholerischen Typen, die immer fort fluchen, Kaffee trinken, saufen und wie ein Schlot rauchen? Diese Alpha-Tiere mit Hosenträgern, die nie schlafen? Diese bornierten Schowinisten, diese jähzornigen Besserwisser?
Nun ja, ich arbeite seit rund 15 Jahre hauptberuflich als Journalist, habe Chefredakteure jeglichen Alters und Geschlechts kennengelernt und ich muss sagen: Das Klischee stimmt. Jeder Chefredakteur und jede Chefredakteurin hat auf seine/ihre Art eine Macke. Bis auf eine Ausnahme: Gerhard, der ehemaligen Chefredakteur von FlightXPress.

Mehr als meinen Chef habe ich ihn als einen Freund erlebt. Sein unprätentiöses Auftreten, sein kollegialer Ton, seine musikalische Lebensfreude und auch seine taktvolle Diskretion haben in die Redaktion von FlightXPress ein ganz anderes Klima eingeführt.
Es liegt mittlerweile lange genug zurück, dass ich es nun offen erzählen kann. Es gab Zeiten – Gerhard war noch nicht Chefredakteur – als ich an der FlightXPress mächtig verzweifelt habe und ganz nah dran war, aufzuhören. Es passierten damals Dinge, die ich schwer mit meinen Überzeugungen vereinbaren konnte und es gab Dinge, die ich ganz anders sah und beurteilte als der damalige Chefredakteur von FlightXPress. Ich war ganz nah dran, den Stift hinzulegen und nicht mehr für FXP zu schreiben. Und dann kam Gerhard.

Es war ein Genuss mit ihm zu arbeiten. Und es war eine Freude zu sehen, mit welchem Ehrgeiz und Engagement er sich für FlightXPress einsetzte. Wäre er nicht da gewesen, wäre das Magazin schon längst eingegangen. Ganz besonders als der FSL-Verlag in April Konkurs meldete. Als andere gewinnbringend absprangen, blieb er am Steuer des tief trudelnden Magazins. Als ich Zweifel hatte, ob alles noch über die Bühne ging, war er derjenige, der aufmunterte und Vertrauen schenkte. Gerhard hat nie das Rampenlicht gesucht, aber er war schon die wahre Seele von FlightXPress.

Nun ist er zurückgetreten und ich nehme seinen Posten als Chefredakteur von FlightXPress ein. Ich hätte mir einen ganz anderen Einstand gewünscht.

Es ist nicht an mir, die Gründe für Gerhards Abgang zu erklären. Darüber wird in den Foren sowieso bereits wild spekuliert. Ich möchte nur eins sagen: Gerhard, ich werde dich sehr vermissen. Und ich bedauere, dass ich dich nicht überreden konnte.


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